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Schuhe als Werbungskosten absetzen – ist das möglich?

Schuhe als Werbungskosten absetzen – ist das möglich?

Eine Arbeitnehmerin war als Schuhverkäuferin in einer Filiale einer Schuhhauskette tätig. Vertraglich war sie verpflichtet, während der Arbeit Schuhe aus dem Haus des Arbeitgebers zu tragen. Leider wurden diese allerdings keineswegs vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, sondern die Arbeitnehmerin musste diese Markenschuhe selbst erwerben. Da sie die Schuhe nicht in der Freizeit trug, sondern bei Arbeitsbeginn und Ende jeweils wechselte, sah sie sie als berufstypische Kleidung an und setzte die Kosten für diese Schuhe als Werbungskosten bei ihrer Tätigkeit aus nichtselbständiger Tätigkeit an.

Auffassung des Finanzamts

Das Finanzamt war der Meinung, dass es sich bei diesen Schuhen um keine typische Berufskleidung, sondern bürgerliche Kleidung handeln würde und lehnte die geltend gemachten Kosten für die Schuhe als Werbungskosten ab. Es erließ einen entsprechenden Einkommensteuerbescheid und, nach dem eingelegten Einspruch, eine ablehnende Einspruchsentscheidung.

Finanzgericht Münster vom 01.07.2015, Az. 9 K 3675/14 E

Das Gericht schloss sich mit folgenden Argumenten der Auffassung des Finanzamts an und ließ die Kosten für die Schuhe nicht als Werbungskosten durchgehen: Grundsätzlich sind Kosten für Kleidung ebenso wie Aufwendungen für die Wohnung und Verpflegung Kosten der Lebensführung und somit nicht abzugsfähig. Auch wenn feststehe, dass ein konkretes Bekleidungsstück ohne berufliche Gründe überhaupt nicht angeschafft worden wäre und es zweifellos der Förderung der beruflichen Tätigkeit dient, scheidet die Berücksichtigung wegen des grundsätzlichen Abzugsverbots bereits dann aus, wenn seine private Nutzung als bürgerliche Kleidung im Rahmen des Möglichen und Üblichen liegt.

Kein Abzug der Kosten für Schuhe als Werbungskosten

Demgegenüber wären Kosten nur für typische Berufsbekleidung als Werbungskosten abziehbar. Diese Voraussetzung liegt dann vor, wenn das Bekleidungsstück nach seiner Beschaffenheit objektiv nahezu ausschließlich für die berufliche Verwendung bestimmt ist und wegen der Eigenart des Berufs nötig ist. Nun wird klar, dass Damenschuhe nicht unter diese Definition fallen und damit der gewünschte Abzug der Kosten für diese Schuhe als Werbungskosten nicht in Betracht kommt. Denn prinzipiell können Damenschuhe eben doch auch bei privaten Anlässen getragen werden, so dass eine objektive Abgrenzung zwischen berufsbezogenen Aufwendungen und Kosten der privaten Lebensführung nicht möglich ist.

Fazit

Letztlich war die Schuhverkäuferin gezwungen, während der Arbeit Schuhe zu tragen, die sie privat nicht nutzen wollte und musste darüber hinaus die Kosten für die Markenschuhe selbst übernehmen. Zu allem Überfluss verwehrte ihr das Finanzgericht auch noch den Abzug der Kosten für diese Schuhe als Werbungskosten, so dass sie durch die Schuhe auch keinerlei steuerliche Entlastung erlangen konnte. Im wahrsten Sinne des Wortes ist damit festzustellen: dumm gelaufen!


Bei Fragen zum Thema des Abzugs von Werbungskosten oder anderen Fragen im Zusammenhang mit Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit, können Sie sich im Rahmen einer Mitgliedschaft gerne in einer von ca. 650 Beratungsstellen des Aktuell Lohnsteuerhilfeverein e.V. beraten lassen.

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