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Was geht eigentlich alles vom Bruttogehalt ab?

Was geht eigentlich alles vom Bruttogehalt ab?

Der Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehalt ist und bleibt das ewige Ärgernis der arbeitenden Gesellschaft. Jeden Monat werden verschiedene Beträge vom Gehalt abgezogen, ohne jemals auf den Konten der Arbeitnehmer zu gelangen. Allerdings handelt es sich hierbei nicht nur um Steuern, sondern auch andere Leistungen werden fällig.

Aber was verbirgt sich genau dahinter? Was geht alles vom Bruttolohn weg? Wie ergibt sich der Nettolohn?

Inhaltsverzeichnis


Was geht genau ab von meinem Bruttogehalt?

Wussten Sie das? Fast 20% Prozent von Ihrem Bruttogehalt gehen ab für Sozialleistungen. Weiter wird die Einkommensteuer abgezogen, die auf der Basis der Lohnsteuerklassen berechnet wird. Von der Steuerklasse hängen unter anderem auch Ihre Freibeträge ab.

Die Steuerklasse richtet sich im Wesentlichen nach Ihrer Familiensituation und ändert sich auch, wenn Sie einen zweiten Job beginnen. Genauere Informationen über die einzelnen Steuerklassen finden Sie in unserem Steuerlexikon unter Lohnsteuerklassen.

Das wird von Ihrem Bruttolohn abgezogen:

 

Nun stellt sich die Frage: Wie hoch sind diese Abzüge?

Die nachfolgenden Zahlen und Prozentsätze zu den verschiedenen Abzügen gelten seit dem 01.01.2020.

Sozialleistungen

Fast 20 % des Bruttogehalts werden für Sozialleistungen abgezogen. Es handelt sich hierbei allerdings nur um den Arbeitnehmeranteil, den Sie selbst zahlen. Ihr Arbeitgeber zahlt dieselben Prozentsätze ebenfalls, sodass sich insgesamt der doppelte Betrag ergibt. Die Leistungen setzen sich wie folgt zusammen:

  • Rentenversicherung: 9,3 % (insgesamt 18,6 % mit dem Arbeitgeberanteil)
  • Arbeitslosenversicherung: 1,2 % (insgesamt 2,4 % mit dem Arbeitgeberanteil)
  • Pflegeversicherung: 1,525 % für Arbeitnehmer mit Kindern, dieser Betrag erhöht sich auf 1,775 % für kinderlose Arbeitnehmer, (insgesamt 3,05 %, bzw. 3,3 %)
  • Krankenversicherung: 7,3 % (insgesamt 14,6 % mit dem Arbeitgeberanteil)
    Auch erheben Kassen noch zusätzliche Beträge, die dann ebenfalls hälftig zu teilen sind.

 

Steuern

Zusätzlich zu den Sozialleistungen werden auch Steuern vom Bruttogehalt abgezogen, es handelt sich dabei um die so genannte Einkommensteuer.

  • Der Eingangssteuersatz liegt momentan bei 14 %. Das ist der niedrigste Steuersatz, der bei einem zu versteuernden Einkommen knapp über dem Grundfreibetrag verwendet wird.
  • Ab einem zu versteuernden Einkommen von EUR 57.052 Euro gilt der Spitzensteuersatz von 42 %, für 2021 liegt die Grenze bei EUR 57.918,00. Bei Ehepaaren gilt der doppelte Wert.
  • Durch die sogenannte Reichensteuer gibt es seit 2007 einen weiteren Steuersatz, der noch über dem Spitzensteuersatz von 42 % liegt. Für 2020 muss ab einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 270.501 (2021 EUR 274.613) bzw. bei Ehepaaren EUR 541.002 (2021 EUR 549.226) ein Steuersatz von 45 % angewendet werden.
  • Der Solidaritätszuschlag beträgt bis zu 5,5 Prozent der Einkommensteuer; er wird erhoben, wenn die Einkommensteuer mehr als 972 Euro im Jahr bzw. 1.944 Euro bei Zusammenveranlagung beträgt und steigt schrittweise an, sodass der volle Betrag erst bei einer jährlichen Einkommensteuer in Höhe von 1.340 Euro bzw. 2.680 Euro zu zahlen ist.
    Hierzu gibt es aber richtig gute Nachrichten: Seit Beginn des Jahres 2021 entfällt der Solidaritätszuschlag für ca. 90 % der Steuerzahler. Konkret bedeutet dies, dass bis zu einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von ca.  61.717 Euro kein Solidaritätszuschlag mehr zu zahlen ist. Für Ehegatten verdoppeln sich die Beträge.

 

Bruttogehalt vs. Nettogehalt – was bleibt vom Bruttogehalt übrig?

Diese erste Frage können Sie sich ganz einfach mit unserem Brutto-Netto-Rechner beantworten. Damit können Sie bequem und kostenlos Ihr Nettoeinkommen ermitteln.

Außerdem stellt sich eine weitere Frage: Was muss ich noch berücksichtigen, um mein Nettoeinkommen zu ermitteln?

  • Vermögenswirksame Leistungen: Diese erhalten Sie zusätzlich zum normalen Arbeitslohn; vermögenswirksamen Leistungen, die der Arbeitgeber zahlt, sind steuer- und sozialabgabenpflichtig. Die fälligen Steuern und Abgaben werden Ihnen vom Lohn abgezogen.
  • Geldwerter Vorteil: Wenn Sie extra Vergütungen von Ihrem Arbeitgeber erhalten, müssen sie diese ebenfalls (als geldwerten Vorteil) versteuern. Dies trifft z.B. auf den Firmenwagen zu, den Sie auch privat nutzen oder Gutscheine oder Förderungen. Die gesetzliche Freigrenze liegt momentan bei 44 Euro im Monat. Allerdings sind nicht alle Sonderleistungen betroffen.
  • Altersentlastungsbetrag: Für Steuerpflichtige über 64 Jahren gibt es einen Altersentlastungsbetrag, d.h. eine kleine steuerliche Vergünstigung.
  • Freibeträge: Diese müssen direkt beim Finanzamt beantragt werden und sind abhängig von der jeweiligen Steuerklasse. Freibeträge, gibt es zum Beispiel, wenn man eine Ausbildung absolviert oder Angehörige oder Kinder betreut.

Sie haben noch Fragen zum Brutto- und Nettogehalt? Oder zu anderen steuerlichen Themen? Dann wenden Sie sich jederzeit an Ihren persönlichen Steuerexperten des Aktuell Lohnsteuerhilfevereins e.V.: Jetzt Beratungsstelle finden.

Oder nutzen Sie unseren Extra-Service der kontaktlosen Online-Beratung inklusive ALH-Postbox-App, mit der Sie bequem von Zuhause aus Ihre Steuererklärung erledigen können.

Über den Autor:
ALH Steuerexperten

Der Aktuell Lohnsteuerhilfeverein e.V. ist seit 1996 bundesweit tätig. In über 700 Beratungsstellen betreuen die Beratungsstellenleiter:innen unseres Vereins die circa 240.000 Vereinsmitglieder im Rahmen der Beratungsbefugnis begrenzt nach § 4 Nr. 11 StBerG. Die Steuerexperten unserer Hauptverwaltung stehen mit ihrem umfangreichen Wissen bei Fachfragen zur Seite und organisieren regelmäßige Steuerseminare, um unsere Berater:innen über die aktuellsten Änderungen und Besonderheiten im Steuerrecht zu informieren. Demzufolge können unsere Experten schwierige Sachverhalte interessant aufbereiten und verständlich an andere weitergeben, wodurch sie unseren Mitgliedern deutschlandweit kompetente Beratung ermöglichen.