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Aufwendung für Besuchsfahrten als Werbungskosten

Aufwendung für Besuchsfahrten als Werbungskosten

Da wusste sich ein Ehepaar sich nicht anders zu helfen. Der Ehemann war als Monteur an verschiedenen Orten im Ausland eingesetzt. Unter anderem war er auch während 1,5 Monaten auf einer Baustelle in den Niederlanden tätig. An zwei Wochenenden konnte er nach Hause zu seiner Ehefrau fahren. In der restlichen Zeit hielt die Arbeitgeberin seine Anwesenheit auf der Baustelle aus produktionstechnischen Gründen für unabdingbar, was sie ihm auch schriftlich bestätigte.

Besuchsfahrten der Ehefrau

Die Ehefrau, die keiner beruflichen Tätigkeit nachging und die als Hausfrau tätig war, setzte sich daher an drei weiteren Wochenenden ihrerseits ins Auto und besuchte ihren Ehemann in den Niederlanden. Das war gut für die Ehe, aber weniger günstig für den Geldbeutel. Der Ehemann wollte daher auch diese Kosten für die Besuchsfahrten als Werbungskosten bei seinen Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit berücksichtigen lassen.

Entscheidung des Finanzgerichts

Das Finanzamt lehnte den Ansatz dieser Kosten für die Besuchsfahrten als Werbungskosten zunächst ab. Nach erfolglosem Einspruchsverfahren landete die Angelegenheit beim Finanzgericht. Dieses gab der Klage statt. Diese Fahrtkosten seien beruflich veranlasst. Betriebliche Gründe hätten die Anwesenheit des Ehemannes auf der Baustelle erfordert. Das Finanzgericht verwies insbesondere auf die bestehende Rechtsprechung, dass im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung in vergleichbaren Fällen der Aufwand für eine sogenannte umgekehrte Familienheimfahrt durch den Ehegatten zum Werbungskostenabzug zuzulassen sei.

Finanzamt legt Revision ein

Hiermit gab sich das Finanzamt wiederum nicht zufrieden. Es legte gegen die Entscheidung des Finanzgerichts Revision ein und beantragte die Klageabweisung mit der Folge, dass die Besuchsfahrten als Werbungskosten nicht zu berücksichtigen seien.

Entscheidung des Bundesfinanzhofs

Der BFH schloss sich letztlich der Auffassung des Finanzamts an. Denn, da der Ehemann auf der Baustelle in den Niederlanden eben keinen doppelten Haushalt unterhalte, sondern dort nur auswärts tätig sei, sei die vom Finanzgericht zitierte Rechtsprechung gerade nicht maßgebend. Der BFH führt weiter aus, dass bei Bautätigkeiten oder Montagen keine regelmäßigen Arbeitsstätten vorlägen und der Bezug einer Unterkunft an typischerweise ständig wechselnden beruflichen Tätigkeitsstätten keine doppelte Haushaltsführung begründe. Folgerichtig seien auch die von der Ehefrau vorgenommenen Besuchsfahrten als Werbungskosten nicht abzugsfähig.

Aufwendung für Besuchsfahrten als Werbungskosten nicht abzugsfähig

Auch ein Ansatz als Familienheimfahrten scheide aus, es lägen zudem schließlich keine beruflich veranlassten Kosten des Ehemanns vor, da es sich um Kosten der Fahrten der Ehefrau handle. Damit könnten die Aufwendungen der Ehefrau für Besuchsfahrten als Werbungskosten beim Ehemann unter keinem Gesichtspunkt angenommen werden.

Damit bleibt das Ehepaar auf den angefallenen Kosten für die Fahrten der Ehefrau sitzen, allerdings darf man hoffen, dass die Fahrten jedenfalls für Beziehung der Eheleute förderlich waren!

vgl. BFH Urteil vom 22.10.2015, VI R 22/14

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Bei Fragen zum Thema Abzug von Besuchsfahrten als Werbungskosten oder anderen Fragen im Zusammenhang mit Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit, können Sie sich im Rahmen einer Mitgliedschaft gerne in einer von ca. 650 Beratungsstellen des Aktuell Lohnsteuerhilfeverein e.V. beraten lassen.

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