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Was ist bei der Steuererklärung wegen Corona zu beachten?

Was ist bei der Steuererklärung wegen Corona zu beachten?

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Berufstätigkeit vieler Arbeitnehmer:innen und somit auch auf die Steuererklärung. Vor allem Kurzarbeit und Homeoffice sind keine Seltenheit. Deshalb zeigen wir Ihnen, welche Sachverhalte Sie prüfen sollten und wie sie mithilfe unserer kostenlosen „Steuer-Checkliste Corona“ die Steuererklärung optimal vorbereiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Homeoffice: Weniger Kosten bei der Entfernungspauschale absetzbar
  • Korrektur bei der Versteuerung des Dienstwagens vorteilhaft
  • 5 Euro Homeoffice-Pauschale pro Tag auch ohne häusliches Arbeitszimmer
  • Unterkunftskosten auch mit coronabedingter Begründung einer Zweitwohnung abzugsfähig
  • Kurzarbeitergeld ist steuerfrei, jedoch mit Progressionsvorbehalt

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Steuer-Checkliste Corona

Folgende Sachverhalte empfehlen wir Ihnen zur Vorbereitung der Steuererklärung zu überprüfen bzw. zu ermitteln:

 

► Kostenloses Extra für Sie: Checkliste | Steuererklärung Corona – Download (PDF)


Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

Wie viele Fahrten/Fahrttage hatten Sie zwischen Wohnung und Arbeitsstätte?

► Notieren Sie sich die Anzahl der Fahrten/Fahrttage.

Nachteilig kann sich für Arbeitnehmer:innen der Umstand auswirken, dass beim Arbeiten im Homeoffice an weniger Arbeitstagen die erste Tätigkeitsstätte, beispielsweise der Arbeitsplatz im Büro, aufgesucht wurde. Dadurch können auch die im Rahmen der Entfernungspauschale anzusetzenden Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte im Vergleich zu den Vorjahren geringer ausfallen. Die Anzahl der Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sind somit zu prüfen.

Versteuerung des Dienstwagens

Wie viele Fahrten/Fahrttage hatten Sie zwischen Wohnung und Arbeitsstätte?

► Notieren Sie sich die Anzahl der Fahrten/Fahrttage.

Erhalten Sie vom Arbeitgeber ein Firmenfahrzeug, sind die privaten Fahrten mit einem geldwerten Vorteil zu versteuern. Der Steuerpflichtige hat die Möglichkeit die sog. Pauschalversteuerung zu wählen oder ein Fahrtenbuch, zu führen.

Führt der Steuerpflichtige kein Fahrtenbuch, wird im Rahmen der Lohnabrechnung der Vorteil für die Nutzung des Firmenwagens versteuert, nämlich die Privatfahrten mit 1 % des Bruttolistenpreises und zzgl. die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit 0,03 % des Bruttolistenpreises mal den Entfernungskilometern.

Wer coronabedingt häufig von Zuhause arbeitet, ist hier im Nachteil, denn bei der 0,03 %-Methode wird von 180 Fahrten bzw. 15 Fahrten im Monat ausgegangen. Haben Sie weniger als 15 Fahrten im Monat, können Sie für die Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte statt der 0,03 % Regelung aber auch eine Einzelbewertung beantragen. Hierfür müssen Sie die Tage angeben, an denen Sie tatsächlich zu Ihrer ersten Tätigkeitsstätte gefahren sind. Dann müssen Sie nur 0,002 % des Listenpreises pro Entfernungskilometer ansetzen. Sie müssen somit weniger für die Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte versteuern.

Arbeitszimmer

Haben Sie ein Arbeitszimmer (extra abgeschlossener Raum)?

► Falls ja, füllen Sie bitte den „Berechnungsbogen | Häusliches Arbeitszimmer“ aus.

Wie in den Vorjahren kann ein separater Raum in der eigenen Wohnung, der weit überwiegend beruflich und nicht oder nur ganz gering privat genutzt wird, als sog. häusliches Arbeitszimmer berücksichtigt werden. Die auf diesen Raum entfallenden anteiligen Kosten können Sie bis zu einem Höchstbetrag in Höhe von 1.250 Euro ansetzen, wenn Ihnen für die betreffende Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Empfehlungen oder der Wunsch, während der Pandemie von Zuhause aus zu arbeiten, reichen aber nicht aus. Der Arbeitgeber muss die Arbeit im Betrieb und den Zutritt hierzu ausdrücklich untersagen, damit der Abzug der Kosten für das Arbeitszimmer möglich ist.

Stellt das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit dar (z. B. gleichwertige Tätigkeit im Homeoffice und Büro und mindestens 3 Tage pro Woche im Homeoffice), können Sie die Kosten für das Arbeitszimmer in voller Höhe ansetzen. Dabei kommt es nicht auf den anderen Arbeitsplatz an.

Homeoffice-Pauschale

(kein Arbeitszimmer, z. B. Nutzung Arbeitsecke)

An wie vielen Arbeitstagen waren Sie ausschließlich im Homeoffice tätig?

► Notieren Sie sich die Anzahl der Arbeitstage im Homeoffice.

Auch wenn demnach kein Ansatz als häusliches Arbeitszimmer in Betracht kommt, können Sie immer noch die Kosten für Arbeitsmittel oder Telefonkosten, die Sie bei der Arbeit Zuhause getragen haben als Werbungskosten ansetzen.

Coronabedingt gibt es für 2020 und 2021 zudem folgende Vergünstigungen: Sofern Sie von einem privaten Raum oder einer Ecke im Wohnzimmer aus arbeiten, können Sie für die betreffenden Tage jeweils 5 Euro pro Tag, maximal 600 Euro jährlich absetzen.

Damit sind alle weiteren möglicherweise entstandenen Kosten abgegolten, also insbesondere anteilige Mietkosten oder Abschreibungen, Reinigungskosten, Kosten für Wasser, Strom und Heizung.

Nachweis für Homeoffice-Tage
Sollte das Finanzamt den Angaben zur Homeoffice-Pauschale in der Steuererklärung nicht folgen und eine Bescheinigung zu den Homeoffice-Tagen anfordern, können Sie folgende Bestätigung von Ihrem Arbeitgeber unterzeichnen lassen und anschließend dem Finanzamt vorlegen:
Bestätigung Homeoffice – Download (PDF)

In unserem Blogbeitrag können Sie noch weitere Details nachlesen:

Kurzarbeit

Das Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, erhöht jedoch aufgrund des Progressionsvorbehaltes Ihren Steuersatz auf Ihre steuerpflichtigen Einkünfte, etwa Ihren Arbeitslohn. Hierdurch kann sich leider oft eine Steuernachzahlung ergeben. Daher müssen Sie auf jeden Fall eine Einkommensteuererklärung abgeben, wenn Sie im Jahr mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld bezogen haben. Andererseits erfreulich: die Zuschüsse Ihres Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld sind steuerfrei. Und wenn Sie zeitweilig der „Kurzarbeit Null“ unterfallen und keinen Teilzeitlohn erhalten, können Sie auch mit einer Steuererstattung rechnen.

Alle wichtigen Fragen zum Thema Kurzarbeit beantworten wir in unseren Blogbeiträgen:

Auswärtstätigkeit

Haben Sie die Auswärtstätigkeit (z. B. Baustelle) für mind. 4 Wochen (zusammenhängender Zeitraum) nicht aufgesucht?

► Falls ja, notieren Sie den/die Zeitraum/Zeiträume.

Wenn Sie als Monteur:in, Leiharbeitnehmer:in oder Außendienstmitarbeiter:in tätig sind, haben Sie oftmals keine erste Tätigkeitsstätte, die Sie täglich aufsuchen. Es ist sodann die Rede von einer Auswärtstätigkeit. Ist dies bei Ihnen der Fall, können Sie nicht nur die Entfernungspauschale berücksichtigen, sondern die doppelte Entfernungspauschale bzw. die Kosten für Hin- und Rückfahrten.

Wenn Sie wegen Kurzarbeit jedoch weniger gearbeitet und demnach die Baustelle nicht aufgesucht haben, können Sie nun auch nur weniger gefahrene Kilometer angeben. Entsprechend werden auch weniger Fahrtkosten als Werbungskosten in der Steuererklärung berücksichtigt.

Allerdings kann sich aus der Kurzarbeit auch ein steuerlicher Vorteil für Sie ergeben. Bei Auswärtstätigkeiten können Sie Verpflegungsmehraufwendungen ansetzen. Dies ist auf drei Monate begrenzt, was bedeutet, dass die Aufwendungen ab dem vierten Monat nicht mehr berücksichtigt werden. Hatten Sie jedoch eine Unterbrechung von mindestens vier Wochen, in denen keine Bauarbeiten bzw. die gleiche Auswärtstätigkeit aufgesucht wurde, können Sie die drei Monate Verpflegungsmehraufwendungen erneut in Anspruch nehmen.

Doppelter Haushalt

Wie viele Fahrten/Fahrttage hatten Sie zwischen Wohnung und Arbeitsstätte?

► Notieren Sie sich die Anzahl der Fahrten/Fahrttage.

Wie viele Familienheimfahrten hatten Sie im Veranlagungszeitraum? 

► Notieren Sie sich die Anzahl der Familienheimfahrten.

Haben Sie den doppelten Haushalt für mind. 4 Wochen (zusammenhängender Zeitraum) nicht aufgesucht?

► Falls ja, notieren Sie den/die Zeitraum/Zeiträume.

Unterhalten Sie am Ort der ersten Tätigkeitsstätte eine Zweitwohnung, können die Unterkunftskosten bis zu einem Höchstbetrag von 1.000 Euro monatlich abzugsfähig sein. Hinzu kommen die Kosten für Hausrat und Einrichtungsgegenstände.

Doch was geschieht, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen empfiehlt von zu Hause aus zu arbeiten, obwohl der Arbeitsplatz im Büro eigentlich nutzbar wäre oder Sie wegen Kurzarbeit den Ort Ihrer Arbeitsstätte nicht aufsuchen müssen? Die Zweitwohnung am Ort der ersten Tätigkeitsstätte würde in beiden Fällen nicht regelmäßig oder gar nicht genutzt werden, die Mietkosten fallen jedoch trotzdem an.

Grundsätzlich ist für die steuerliche Berücksichtigung einer Zweitwohnung eine „berufliche Veranlassung“ § 9 Abs. 1 Nr. 5 EStG notwendig und an dieser ändert auch Corona nichts. Die tatsächlich angefallenen Kosten können Sie auch weiterhin als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen.

Allerdings werden Sie ggf. weniger Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sowie Familienheimfahrten haben und auch der Verpflegungsmehraufwand für die ersten drei Monate ist im Homeoffice am Hauptwohnsitz nicht absetzbar. Somit reduzieren sich Ihre Werbungskosten in der Steuererklärung. Nichtsdestotrotz gilt auch hier die Regel: Liegt eine Unterbrechung von mindestens vier Wochen vor, können Sie erneut Verpflegungsmehraufwendungen für drei Monate steuerlich berücksichtigen.

Kostenloses Extra für Sie

Checkliste | Steuererklärung Corona – Download (PDF)

Laden Sie sich unsere praktische Checkliste für die Steuererklärung mit den Besonderheiten wegen Corona einfach als PDF herunter. Mithilfe der Checkliste können Sie sich nochmal einen Überblick über die relevanten Änderungen und Hinweise zur Steuererklärung wegen Corona verschaffen und Punkt für Punkt abhaken, sodass Sie nichts vergessen.


Benötigen Sie Unterstützung? Deutschlandweit stehen Ihnen unsere Beratungsstellen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Unsere Beraterinnen und Berater sind Ihre kompetenten und persönlichen Ansprechpartner:innen rund um Ihre Einkommensteuererklärung, auch bei den Besonderheiten, die die Corona-Pandemie mit sich bringt. Finden Sie jetzt Ihre:n Steuerexperten:in vor Ort mit unserer PLZ-Suche! Viele Beratungsstellen bieten Ihnen auch den Extra-Service der Online-Beratung, dabei können Sie mithilfe der ALH-Postbox-App Ihre Steuererklärung bequem von Zuhause aus erledigen.

 

Beitragsbild © Wayhome Studio – stock.adobe.com

Über den Autor:
Lena Freiberger

Unsere Steuerexpertin Lena Freiberger behält in unserem Verein den Überblick über alle steuerlichen Themen und die neuesten Änderungen der Steuergesetze. Nach Abschluss Ihres Studiums mit dem Schwerpunkt Steuern und Wirtschaftsprüfung war sie bei einer der Big Four Gesellschaften tätig. Nun steht sie als Leitung des Steuerservice unseren Beratungsstellen vor allem bei komplexen steuerlichen Anfragen stets mit ihrer Expertise zur Seite. Mit ihrer Leidenschaft zum Steuerrecht begeistert sie auch als Dozentin unsere Berater:innen in unseren Seminaren und gibt ihnen umfangreiches Wissen an die Hand, somit ebnet sie den Weg zur erfolgreichen Beratung der Mitglieder unseres Lohnsteuerhilfevereins.