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Krankheitskosten absetzbar – auch bei Erstattungen im Folgejahr?

Krankheitskosten absetzbar – auch bei Erstattungen im Folgejahr?

Bekanntlich sind Krankheitskosten absetzbar und können zu einer Minderung der Steuerlast führen. Was jedoch passiert, wenn im Nachhinein Krankheitskosten von der Krankenkasse erstattet werden, hat nun der Bundesfinanzhof entschieden.

Inhaltsverzeichnis

Krankheitskosten absetzbar als außergewöhnliche Belastungen
Einspruch und Klage wegen Krankheitskosten und Bestattungskosten
Ansatz von Krankheitskosten bei Erstattung im Folgejahr
Zumutbare Belastung auch bei Krankheitskosten
Bestattungskosten
Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 21.02.2018, VI R 11/16
Beratung beim Lohnsteuerhilfeverein

Krankheitskosten absetzbar als außergewöhnliche Belastungen

Nicht nur Krankheitskosten, auch weitere Ihrer privaten Ausgaben, die zwangsläufig und notwendig sind, können Sie als außergewöhnliche Belastungen in Ihrer Steuererklärung berücksichtigen lassen. Zu den wichtigsten außergewöhnlichen Belastungen gehören, neben den Krankheitskosten, Aufwendungen für Hilfsmittel wie Brillen und Zahnprothesen und Bestattungskosten. Steuern sparen können Sie, wenn Ihre jeweils zu ermittelnde zumutbare Belastung durch diese Kosten überschritten wurde.

Einspruch und Klage wegen Krankheitskosten und Bestattungskosten

Am 21.02.2018 hat der BFH hierzu über folgenden Fall entschieden: Eine Ehefrau war nach langer und schwerer Krankheit verstorben. Der Ehemann hatte im betreffenden Jahr diverse Krankheitskosten und Beerdigungskosten in beträchtlicher Höhe getragen. Wenigstens wollte er diese Kosten als außergewöhnliche Belastungen in seiner Steuererklärung berücksichtigt haben. Die Krankenkasse hatte die Krankheitskosten zunächst zur Hälfte getragen, in den folgenden Jahren jedoch auch den Großteil der restlichen Kosten übernommen. Der danach verbleibende Betrag überstieg die zumutbare Belastung nicht mehr. Die Beerdigungskosten konnte der Ehemann aus seinem Anteil am Nachlass begleichen. Trotz hoher Kosten führte der Vorgang also letztlich nicht zu einer Steuerminderung des Ehemanns. Nach erfolglosem Einspruchs- und Klageverfahren legte der Kläger Revision beim Bundesfinanzhof ein.

Ansatz von Krankheitskosten bei Erstattung im Folgejahr

Der BFH vertrat die Auffassung, dass Krankheitskosten nur insoweit zu berücksichtigen waren, als sie das Einkommen des Klägers tatsächlich und endgültig belasteten. Insbesondere waren bereits im Streitjahr auch solche Erstattungen abzuziehen, die der Kläger erst in den nachfolgenden Jahren erhalten hatte.

Zumutbare Belastung auch bei Krankheitskosten

Auch die Berücksichtigung der zumutbaren Belastung bei den Krankheitskosten sah der BFH nach der klaren gesetzlichen Regelung als geboten an. Das Einkommen sei zwar insoweit steuerfrei zu stellen, als es dem im Sozialhilferecht niedergelegten Leistungsniveau entspricht; diese Voraussetzung sei vorliegend allerdings erfüllt, da die Krankenkasse letztlich den überwiegenden Anteil der Kosten erstattet hatte.

Bestattungskosten

Ein Ansatz der Beerdigungskosten entfiel ebenfalls, da sie den Nachlass nicht überstiegen.

Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 21.02.2018, VI R 11/16

Somit ergibt sich insgesamt folgendes trauriges Ergebnis: Die anerkannten Krankheitskosten des Streitjahres waren um die erst in den Folgejahren erhaltene Zahlung der Krankenkasse zu mindern Die zumutbare Belastung ist auch bei Krankheitskosten verfassungsgemäß und war daher abzuziehen. Zuzahlungen zu Krankheitskosten könnten allenfalls dann nicht mehr zumutbar sein, wenn dadurch das verfassungsrechtlich gesicherte Existenzminimum nicht mehr gesichert ist, was vorliegend nicht der Fall war. Beerdigungskosten können nur insoweit abgezogen werden, als sie den Nachlass oder sonstige Geldleistungen übersteigen. Hier finden Sie das ausführliche Urteil des BFH.

Beratung beim Lohnsteuerhilfeverein

Lassen Sie sich bei auftauchenden Fragen rechtzeitig beraten. Unsere Beraterinnen und Berater vom Lohnsteuerhilfevereinen können bei Fragen zu außergewöhnlichen Belastungen Ihnen im Rahmen einer Mitgliedschaft und der beschränkten Beratungsbefugnis nach § 4 Nr. 11 StBerG gerne Auskunft geben. Als Lohnsteuerhilfeverein beraten wir Mitglieder umfassend, wenn diese Einkünfte als Arbeitnehmer, Beamte, Rentner und Unterhaltsempfänger erzielen, und nur eingeschränkte zusätzliche Einkünfte vorliegen.


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