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Aufwendungen für operative Entfernung eines Lipödems absetzbar?

Aufwendungen für operative Entfernung eines Lipödems absetzbar?

Lohnsteuerhilfeverein Berlin: Kosten der Operation eines Lipödems

Betroffene Patientinnen leiden ohnehin bereits erheblich unter einem solchen Lipödem. Der Lohnsteuerhilfeverein Berlin weist auf einen nunmehr entschiedenen Fall hin: Hierbei hatte sich die Patientin entschlossen, eine Operation zur Beseitigung des Lipödems durchführen zu lassen. Für diese Fettabsaugung wurden ihr im Jahr 2013 EUR 2.250,00 in Rechnung gestellt. Die Krankenkasse weigerte sich trotz ärztlicher Verordnung strikt, diese Kosten zu übernehmen. Die Patientin machte daraufhin diese Kosten in der Einkommensteuererklärung 2013 als außergewöhnliche Belastung gemäß § 33 EStG geltend.

Lipödem

Bei einem Lipödem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung. Diese tritt häufig im Oberschenkel- Unterschenkel-, Gesäß- oder Hüftbereich auf, später sind auch die Arme betroffen. Symptome sind Schweregefühle in Beinen und Armen, Druckschmerzen und Berührungsempfindlichkeit, Neigung zu blauen Flecken und kalte Haut. Die Krankheit geht einher mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Auffassung des Finanzamts

Nach Mitteilung des Lohnsteuerhilfeverein Berlin lehnte das Finanzamt die geltend gemachten Kosten als außergewöhnliche Kosten ab, weil sie nicht zwangsläufig seien und die Steuerpflichtige die medizinische Notwendigkeit der Maßnahme nicht nachgewiesen habe. Zudem verwies das Finanzamt auf ein entsprechendes Urteil des BFH, dem ein Gutachten zugrunde lag, wonach der gewählten Methode eine wissenschaftliche Anerkennung fehle.

Argumentation der Patientin

Die Steuerpflichtige wandte vor allem ein, dass dieses Gutachten, das aus dem Jahr 2011 stamme, zwischenzeitlich veraltet sei und ein neues eingeholt werden müsse.

Lohnsteuerhilfeverein Berlin: Entscheidung des FG Rheinland Pfalz vom 18.08.2016

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz schloss sich nun den Argumenten des Finanzamts an und lehnte die Kosten der Operation zur Beseitigung des Lipödems als außergewöhnliche Belastung ab (Entscheidung des FG Rheinland Pfalz vom 18.08.2016, Az.: 4 K 2173/15). Es verwies darauf, dass diese Behandlung zum Zeitpunkt der Operation keine wissenschaftlich anerkannte Methode gewesen sei. Insbesondere sei für die Beurteilung der Operation im Jahre 2013 ein Gutachten aus dem Jahr 2011 noch aktuell gewesen. Man habe daher kein neues Gutachten einholen müssen. Im Übrigen würden selbst noch im Jahr 2016 wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Operation fehlen. Und es könnten zwar auch Kosten für wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig sein. Hierfür sei allerdings Voraussetzung, dass vor der Behandlung ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung erstellt worden sei. Dies habe die Patientin versäumt. Die vorgelegte Verordnung ihres behandelnden Arztes reiche hierfür nicht aus.

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