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Die günstigste Lohnsteuerklasse heraus finden!

Die günstigste Lohnsteuerklasse heraus finden!

In die Rubrik Lohnsteuerklasse starten wir mit einem kleinen Rätsel:

Familie S. und Familie K. sind voller Glück, denn sie haben Familienzuwachs bekommen. Nach neun Monaten Vorfreude schlummern nun selig kleine Wunder im Babybett und stellen das Leben der frischgebackenen Eltern auf den Kopf.


Jeweils die Mütter bleiben daheim und kümmern sich liebevoll um den Nachwuchs und auch sonst ist bei beiden Familien alles gleich. Selbst der Bruttolohn, welchen die beiden Frauen vor der Schwangerschaft verdient haben, ist identisch.

Doch warum bekommt dann Frau S. weniger Mutterschafts- und Elterngeld als Frau K.?

Die für viele sicher überraschende Antwort auf diese Frage erfahren Sie am Ende dieser Seite. Als Tipp verraten wir Ihnen gerne:

Der Grund für die Differenzen liegt in der Wahl der Lohnsteuerklasse.

In Deutschland unterscheidet man in sechs Steuerklassen. Der Unterschied zwischen den einzelnen Lohnsteuerklassen ist die Höhe der verschiedenen Freibeträge. Diese leiten sich aus den Freibeträgen ab, die der Einkommensteuerveranlagung zugrunde gelegt werden. Dazu gehören beispielsweise Grundfreibetrag, Arbeitnehmerpauschbetrag, Sonderausgabenpauschbetrag, Vorsorgepauschale und der Kinderfreibetrag pro Kind.

Lohnsteuerklasse I
Die Steuerklasse I gilt für ledige oder dauernd getrennt lebende Personen, verwitwete, geschiedene oder verheiratete mit Ehegatten im Ausland oder Personen in eheähnlicher Lebensgemeinschaft.

Lohnsteuerklasse II
Die Steuerklasse II gilt für den Personenkreis der Steuerklasse I, die zusätzlich Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende haben. Denn zum Haushalt gehört mindestens ein Kind, für das der Person ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht. Allerdings darf dann keine weitere, erwachsene Person im Haushalt gemeldet sein.

Lohnsteuerklasse III
Die Steuerklasse III gilt für verheiratete und nicht dauernd getrennt lebende Paare. Dabei darf der jeweils andere Ehegatte entweder keinerlei Einkommen erzielen oder muss zwingend die Steuerklasse V wählen. Die Steuerklassenkombination III / V bietet sich an, wenn ein Ehegatte ein relativ hohes, der andere sehr wenig bis kein Einkommen erzielt.

Die Steuerklasse III wird dabei sehr niedrig, die Steuerklasse V dagegen sehr hoch besteuert. Wenn der Besserverdienende nun die Steuerklasse III wählt, führt dies zu einem hohen verfügbaren Einkommen während des Jahres. Allerdings bringt die Steuerklassenkombination III / V die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung (Pflichtveranlagung) mit sich. Oftmals kommt es hierbei zu einer Nachzahlung.

Lohnsteuerklasse IV
Auch die Steuerklasse IV können verheiratete und nicht dauernd getrennt lebende Paare wählen. Beide Ehegatten müssen hierbei Einkünfte erzielen. Die Steuerklassenkombination IV / IV ist für Ehepaare dann interessant, wenn beide in etwa ein gleich hohes Einkommen erzielen. In dieser Kombination muss nicht, aber kann eine Steuererklärung abgegeben werden (Antragsveranlagung). Allerdings bietet es sich an, eine Steuerberechnung erstellen zu lassen. Denn in den meisten Fällen führt die Abgabe einer Lohnsteuererklärung zu einer Erstattung.

Lohnsteuerklasse IV mit Faktor
Anstatt der Steuerklassenkombination III/V können Arbeitnehmer-Ehegatten auch die Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktor wählen. Durch das Faktor-Verfahren wird erreicht, dass bei jedem Ehegatten die steuer-entlastenden Vorschriften beim eigenen Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden (Anwendung der Steuerklasse IV).

Mit dem Faktor wird außerdem die steuermindernde Wirkung des Splittingverfahrens beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Beim Antrag sind die voraussichtlichen Arbeitslöhne des Vorjahres aus den ersten Dienstverhältnissen anzugeben. Das Finanzamt berechnet danach den Faktor mit drei Nachkommastellen ohne Rundung und trägt ihn jeweils zur Steuerklasse IV ein, wenn dieser kleiner als 1 ist.

Lohnsteuerklasse V
Die Steuerklasse V gilt für verheiratete Personen mit geringem oder keinem Einkommen, sofern nicht bereits die Steuerklassenkombination IV / IV gewählt wurde.

Lohnsteuerklasse VI
Die Steuerklasse VI können unabhängig vom Familienstand Personen wählen, die in mehr als einem Arbeitsverhältnis beschäftigt sind. Dies gilt nicht für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, den sogenannten Minijobs. In der Steuerklasse VI wird analog zur Steuerklasse IV Lohnsteuer einbehalten und damit stets zu viel. Es besteht automatisch eine Pflicht zur Abgabe, was erstattungstechnisch auch ratsam wäre.

Die Lohnsteuerklasse ist ausschlaggebend für die Höhe der einbehaltenen Lohnsteuer und das ausgezahlte Nettogehalt.

Die Wahl der Steuerklasse kann große Auswirkungen auf die Höhe des Nettolohns haben. Da der Nettolohn wiederum die Berechnungsgrundlage für diverse Lohnersatzleistungen darstellt, kann eine ungünstige Steuerklassenkombination in diesen Bereichen durchaus Einbußen mit sich bringen. Sie ändert jedoch nichts an der Höhe der gesamten Steuerschuld, die mit der Abgabe der Steuererklärung festgestellt wird.

Und genau hier liegt auch die Antwort auf unser Rätsel am Anfang der Seite:

Sobald Frau K. von der Schwangerschaft erfuhr, hat sie mit ihrem Mann die Lohnsteuerklasse getauscht. Vorher hatte er die günstigere Lohnsteuerklasse III, wodurch sich das Nettogehalt der Frau aufgrund der Lohnsteuerklasse V verringerte.

Mit dem Tausch der Lohnsteuerklassen erhält Frau K. mit der Lohnsteuerklasse III nun sieben Monate lang ein höheres Nettogehalt, nach dem die Höhe einiger Lohnersatzleistungen festgelegt werden. Dazu gehören neben Arbeitslosengeld, Unterhalt, Krankengeld, Versorgungskrankengeld, Verletztengeld, Übergangsgeld auch Mutterschafts- oder Elterngeld.

In unserer Rubrik „Brutto Netto Rechner“ finden Sie ein weiteres gutes Beispiel, wie stark sich die Lohnsteuerklasse auf das tatsächlich ausgezahlte Gehalt im Verhältnis zum vertraglich vereinbarten Bruttolohn auswirkt.

Kompetente Ansprechpartner zur Erstellung Ihrer Steuererklärung und zur Wahl der richtigen Lohnsteuerklasse finden Sie in einer der bundesweit 650 Beratungsstellen vom Aktuell Lohnsteuerhilfeverein e.V.

Tipp: Vergessen Sie nicht, rechtzeitig den Kinderfreibetrag eintragen zu lassen. Mehr Informationen dazu finden Sie unter der Rubrik Steuertipps.

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