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Wie viel Fahrtzeit bis zur Arbeit ist zumutbar?

Wie viel Fahrtzeit bis zur Arbeit ist zumutbar?

Mobilität und Flexibilität sind heute gefragt wie nie. Dies gilt insbesondere für Arbeitnehmer. Wenn ein passender Arbeitsplatz gefunden ist, heißt es schnell zugreifen. Auch wenn er sich etwas weiter entfernt vom Wohnort befindet. Arbeitnehmer nehmen dann auch längere Anfahrtswege in Kauf. Nach einiger Zeit stellen sie aber doch fest, dass eine einstündige Fahrt zum Arbeitsplatz eine immer größere Belastung ist. Eine Lösung kann dann sein, sich eine Zweitwohnung am Arbeitsort zu suchen. Freilich ist das eine sehr kostenintensive Maßnahme. Wie der Lohnsteuerhilfeverein Reutlingen mitteilt, sollte sich ein solches Vorgehen dann wenigstens steuerlich positiv auswirken.

Lohnsteuerhilfeverein Reutlingen: Kosten für doppelten Haushalt

Im kürzlich vom FG Baden-Württemberg entschiedenen Fall hatte ein Arbeitnehmer die Kosten für die Zweitwohnung am Arbeitsort in der Steuererklärung angesetzt. Er wollte diese Kosten für diese Zweizimmerwohnung im Rahmen eines doppelten Haushalts berücksichtigen lassen. Die Zweitwohnung lag ca. 6 km von seinem Arbeitsort entfernt. Er gab hierbei an, dass er sonst mit seiner Ehefrau gemeinsam in der ca. 37 km entfernten Dreizimmerwohnung leben würde. Von dieser würde er aber für die einfache Fahrt zu seiner Arbeitsstelle ca. eine Stunde benötigen.

Entscheidung des FG Baden-Württemberg vom 16.06.2016, Az.: 1 K 3229

Wie der Lohnsteuerhilfeverein Reutlingen mitteilt, gewährten aber leider weder das Finanzamt noch das dann angerufene Finanzgericht Baden-Württemberg den Ansatz dieser Kosten. Denn nach Auffassung des Finanzamts und auch der Richter lag die gemeinsam mit der Ehefrau gemeinsam bewohnte Dreizimmerwohnung letztlich am Beschäftigungsort. Denn unter dem Begriff Beschäftigungsort sei nicht die jeweilige politische Gemeinde zu verstehen. Vielmehr sei darunter der räumliche Bereich zu verstehen, von dem aus ein Arbeitnehmer üblicherweise täglich zum Arbeitsort fahre. Und nach Auffassung der Richter würden Fahrtzeiten von etwa einer Stunde für die einfache Strecke eben noch im zeitlichen Rahmen liegen. In dieser Größenordnung sei es Arbeitnehmern zumutbar, von ihrer Wohnung aus die Arbeitsstelle aufzusuchen. Tatsächlich würden solche Fahrten im Regelfall unter diesen Umständen auch täglich gemacht.

Hinweis:

Der Lohnsteuerhilfeverein Reutlingen weist darauf hin, dass es sich noch um keine endgültige Entscheidung handelt. Denn der Steuerpflichtige beharrt weiter darauf, die Kosten für den doppelten Haushalt geltend zu machen. Er hat daher gegen das Urteil des FG Baden-Württemberg Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (BFH Az.: VI R 31/16). Die Entscheidung des BFH bleibt abzuwarten, es bleibt spannend.


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